Wie (un)gesund ist Kaffee wirklich?
von Dr. Guido Böhler
Kaffee hat lange Zeit im Ruf gestanden, ungesund zu sein. Heute geben die Mediziner bei normalem Konsum Entwarnung und weisen auf positive Eigenschaften hin.
«Neuste wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass mässiger Kaffeegenuss kein konkretes gesundheitliches Risiko darstellt sondern sogar eine gewisse Schutzwirkung hat», sagt Dr. Roberto Corti, Kardiologe am Universitätsspital Zürich. Trotz etlichen Forschungen fand man bis heute keinen klaren Zusammenhang zwischen Kaffeegenuss und dem Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt oder anderen Herzkrankheiten. Und geforscht wird über Kaffee viel. «Neuere Studien lassen sogar einen eher günstigen Effekt vermuten», so Corti. Coffein kommt auch in Schwarztee, Cola- sowie Guarana-Getränken vor. Notabene: Das oft zitierte «Teein» im Tee ist nichts anderes als Coffein, allerdings enthält eine Tasse Schwarztee weniger von diesem Muntermacher als eine Tasse Kaffee. Auch in Sachen Blutdruck erhält Kaffee Entlastung. Trotzdem sollten Menschen mit Herzerkrankungen ihren Arzt konsultieren, um den Kaffeekonsum abzuklären. Auch Schwangere und Stillende sollten höchstens zwei Tassen pro Tag trinken, da Föten und Säuglinge empfindlicher auf Coffein reagieren als Erwachsene.
Coffein schärft den Verstand
Den Coffeineffekt spüren Kaffeetrinker unmittelbar. Die anregende Wirkung beruht auf einer Ähnlichkeit mit dem körpereigenen Botenstoff Adenosin. In normalen Dosen von ein bis zwei Tassen verdrängt Coffein die Müdigkeit und steigert die Konzentrationsfähigkeit sowie die Lernbereitschaft. Auch motorische Leistungen werden besser, und eine stimmungs¬aufhellende Wirkung ist nachgewiesen. Aber der menschliche Körper entwickelt rasch eine Toleranz: wer regelmässig Kaffee trinkt, spürt die Coffeinwirkung weniger stark. Wer dagegen nicht an Kaffee gewöhnt ist und plötzlich mehrere Tassen trinkt, könnte zu Nervosität neigen. Da Coffein wach hält, kann Kaffee bei empfindlichen Menschen zu Schlafproblemen führen. Diese Wirkungen sind individuell unterschiedlich, und auch der Coffeingehalt variiert von der einen zur andern Kaffeesorte. Als Faustregel gilt, dass reiner Arabicakaffee weniger Coffein besitzt als eine Mischung mit Robusta, denn diese Bohnenart enthält 40 bis 50 Prozent mehr Coffein.
Coffein hat weitere positive Eigenschaften: «Durch die Erweiterung der Gefässe im Gehirn kann es Kopfschmerzen und Migräne lindern», sagt man bei der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE. «Es regt ferner die Nierentätigkeit an und wirkt harntreibend. Aber dies wurde lange Zeit stark überschätzt». Die Wissenschaft stellte fest, dass ein massvoller Kaffeegenuss keine oder nur eine gering harntreibende Wirkung besitzt. Ausserdem verringert sich auch hier die Wirkung bei regelmässigem Konsum. «Kaffee kann also in der Ernährung als Flüssigkeit betrachtet werden und muss aus gesundheitlichen Gründen nicht mit einem Glas Wasser kompensiert werden», so die SGE. Dennoch darf man in der Gastronomie ein Wasser zum Kaffee erwarten, und sei es nur, um den Durst zu löschen oder einen bitteren Espresso zu neutralisieren.
Kaffee hilft verdauen
Die SGE kommt zum Schluss, dass ein moderater Konsum von Kaffee problemlos sei. Auch Chahan Yeretzian, Kaffee-Experte an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaft ZHAW sagt: «Die negativen Effekte von Kaffee sind kaum wissenschaftlich erhärtet sind, wogegen man immer mehr positive Wirkungen feststellt». Positiv ist auch die Verdauungsförderung: Kaffee regt die Magensaft-Ausschüttung an. Ein Tässchen nach dem Essen ist somit nicht nur Genuss sondern hilft auch verdauen. Personen mit empfindlichem Magen können auf magenschonenden Kaffee ausweichen, oder auf coffeinfreien, welchem nebst Coffein auch Reizstoffe entzogen werden. Wer jedoch nur einen milden sprich säurearmen Kaffee sucht, greift zu naturmilden Sorten von Provenienzen mit weniger Säure, vor allem aus Kolumbien und Brasilien.



